Dienstag, 11. September 2012

Reisetagebuch 016

Di, 11.09.12
Abfahrt in das landschaftlich wunderschöne Naturschutzgebiet Tereldsch (70 km), Übernachtung in einem völlig untouristischen Dorf in Jurten mit jeweils vier Betten (auf Wunsch und je nach Verfügbarkeit Aufpreis für Zweibettbelegung p.P. € 25,-) inkl. Verpflegung. (Auf Wunsch können Sie gegen Aufpreis p.P. € 130,- abends von Tereldsch nach Ulan Bator zurückfahren, dort im Hotel übernachten und am nächsten Morgen nach Tereldsch zurückkehren und am weiteren Programm teilnehmen, s.u. In dem Fall wäre das Abendessen nicht im Preis enthalten).
(F/M/A)


Eine gute, geschlafene Nacht liegt hinter mir.
Um 11 Uhr soll die Abfahrt ins Naturschutzgebiet sein. Es ist Zeit auszuschlafen, gemütlich zu frühstücken und die Sachen für den Ausflug mit Übernachtung zu packen. Unser Hauptgepäck bleibt im Hotel.
Das Frühstück im Hotel ist so wie schon die ganze Zeit. Es gibt immer Rühr- oder Spiegelei, Marmelade und Butter und meistens auch Wurst oder Fleisch.
Mit Ludmilla laufe ich noch einmal um den großen Markt/Supermarkt, der direkt neben unserem Hotel liegt. Es ist mir nicht ganz geheuer - zum ersten Mal auf dieser Reise begleitet mich ein unsicheres Gefühl. Ich halte meinen Rucksack besonders fest am Körper und mache so gut wie keine Fotos.
Die Fleischanlieferung und der Fleischverkauf ist schon bemerkenswert. Ganze Tiere hängen zwischen den Autos im Staub und in der Sonne - es macht mir keinen Appetit.
Überhaupt ist das Essen hier sehr fleisch- und fetthaltig. Ich komme damit nicht gut zurecht, zumal die Mahlzeiten immer auf einem Teller serviert werden und es Portionen für 3 Personen sind....
Um 11.40 Uhr starten wir mit dem ersten Auto in Richtung Terscheld - dem Naturschutzgebiet, in dem wir heute auch übernachten werden.
Ein Frau ist unsere Fahrerin, sie spricht ein wenig englisch, das Auto ist ein japanischer Linkslenker. In Ulan Bator brauchen wir fast eine Stunde bis wir das Chaos des Stadtverkehrs hinter uns lassen können. Auf dem Weg müssen wir dann eine Vollbremsung für eine Schafherde hinlegen. Wir fahren an einzelne Ortschaften vorbei. Es gibt etwa gleich viele Jurten wie Steinhäuser. Tierherden laufen überall. Die Berge sind hoch aber lieblich und sanft - dieser Eindruck kann nur dadurch entstehen, weil das Land eine unendliche Weite hat. An der Straße stehen auch kleine Marktstände. Daneben sind große Adler und Geier auf Pflöcken angebunden - wohl eine Touristenattraktion. Wir halten an der großen Jak-Herde und machen Fotos. Der Straßen sind teilweise befestigt und teilweise Sandpisten. Das vollbeladene Auto fährt Slalom um die Schlaglöcher - so manches Mal merken wir die ausgeleierten Stoßdämpfer. Wir würden mit unseren Autos nicht so umgehen.

Je weiter wir in dieser Naturreservat kommen, um so mehr Jurten-Siedlungen sehen wir - leider fast alles nur Touristencamps. Diese Einkommensquelle ist wohl von großer Bedeutung.
Um 13 Uhr erreichen wir ein kleines Dorf zwischen mehreren Touristencamps. Ein großes grünes Tor öffnet sich und hier ist unser heutiges Ziel: Ein kleines Steinhaus, ein Kloohaus und 3 Jurten stehen auf dem Grundstück. Mir scheint wie wenn das junge Paar, das hier wohnt, verwandt mit unserer Fahrerin ist.

Ich gehe um die Umgebung zu erkunden. Alle Grundstücke entlang der Straßen sind mit einem hohen Bretterzaun umrandet. Hier sind die Tore zu den Grundstücken alle grün mit einem einheitlichen weißen Muster. Die Zäune sind so hoch, dass man nicht wirklich Einblicke hat. Das was man erkennt ist sehr verschieden. Es gibt Steinhäuser  mit Jurten und auch Grundstücke nur mit Jurten und Viehunterständen. Es ist in sehr unterschiedlichem Zustand. Menschen sind nur wenige zu sehen.
Eine Schamandenhügelstelle liegt hinter unserer Straße. Von dort oben kann man das ganze Dorf überblicken, deswegen ist er mein Ziel. Ich kann die Zufahrtstraße zum Dorf überblicken und beobachte das Treiben im Dorf.

Nachdem unser Nachzügler-Bus eingetroffen ist gehe ich zurück. Mich überrascht nicht wirklich, dass ein Streit um die Betten entfacht ist. Da eine Mitreisende eine Einzeljurte bewohnt, ist es nötig, dass 2 auf dem gegenüberliegenden Grundstück wohnen sollen. Astrid und Ralf machen das nicht ungerne.

Es gibt eine Suppe mit reichlich Fleischeinlage und weiter als Hauptgericht gedünstete Fleischtaschen- 5 Stück pro Person...

Apropos „Dünsten“, wenn die Mongolen sprechen muss ich immer an Paul Panzer denken.... Dieser Lispelakzent mit ganzer Zunge am Gaumen gehört zur Sprachmelodie.

Am Nachmittag machen wir große und größere Wanderungen auf eigene Faust. Ich bin zunächst mit Ludmilla alleine unterwegs - später gesellen sich Astrid und Vera hinzu - wir sitzen auf einem Schamanenhügel und genießen den Ausblick und die Ruhe. Auf dem Heimweg machen wir eine Runde durch das Dorf. Zwischen den 4 Parallelstraßen (Lehmwegen) liegen die Grundstücke, die von vorne bis hinten mit hohen Bretterzäunen eingezäunt sind.

Zum Essen wurden wir in das feste Haus gebeten. Es war eine Einraumwohnung mit einem großen Bett in einer Ecke, daneben ein Schränkchen und ein 2-Plattenkocher, daneben eine Ablage, in der Mitte des Raumes ein Ofen, auf dem auch gekocht bzw. warmgehalten wurde. Neben der Küchenecke folgte die Eingangstür, daneben ein Spül/Waschbecken. Dieses sieht aus wie eine Kinderküche bei uns - ein Schränkchen mit einer Mulde in der eine Spülschüssel steht und darüber ein Zinkbehälter (für etwa 1 Liter Wasser) mit einem Hahn, aus dem dann das Wasser läuft. Dann kam unsere lange Tafel.

Das Abendessen bestand aus Gulasch, Reis, Krautsalat und Currykartoffeln. Zum Nachtisch ein voll gefülltes Schälchen Naturjoghurt. Vom voll gefüllten Teller habe ich höchstens ¼ geschafft.
Gegen 19.30 Uhr war das Essen beendet. Draussen und in den Jurten war es zu kalt, um sich dort aufzuhalten - also was tun? Agi und ihre 3 Köchinnen schlagen vor etwas zu singen. Der Vorschlag wird dankend angenommen und die Stimmung wird fast lustig. Die mongolischen Frauen singen aus herzensbrust Lieder, wir tun uns schwer passendes zu finden - es scheitert vor allem an der Textfestigkeit. Wir Frauen schmettern und wenn es nur nanananana ist. Bei „Laurenzia“ haben dann alle ihren Spaß. Ich denke, es war 21.30 Uhr, als wir alle in unsere vorgeheizten Jurten verschwinden.

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