So, 09.09.12
In der Transmongolischen
In der Nacht wurde es eisig kalt - ich habe mir die Fleeceweste und Wollsocken angezogen, das Bett ist unglaublich hart und meine Mitbewohnerinnen sind überaus aktiv die Kälte zu bekämpfen. Ab 4/5 Uhr ist nichts mehr mit Schlafen. Ich stehe einmal auf um zu gucken, ob man den Baikalsee noch sehen kann, aber es ist noch viel zu dunkel.
Die Kälte im Zug ist unglaublich, aber auch die Sauberkeit der Toiletten. Ich habe den Eindruck, dass sie stündlich geputzt werden. Unsere beiden mongolischen Zugbegleiterinnen machen ihren Job richtig gut. Am Morgen beobachte ich sie, wie sie mit Kohle den Waggon- Samowar anheizen. In diesen kleinen Ofen wandern dann im Laufe des Tages auch diverse Mülltüten mit unbekanntem Inhalt... nicht nur unsere Diesellok qualmt schwarz vor sich hin.
Dieser Samowar ist eine ganz aufwendige technische Einrichtung, die während der gesamten Zugreise jedem Fahrgast jederzeit kochendes Wasser spendet. Heute ist der Tag, an dem ich dann auch Tee trinke - obwohl ich nicht krank bin ;-)
Da unser Zug auch keinen Speisewagen hat und es keine Babuschkas gibt (wir sind schon so weit zur Grenze zur Mongolei), müssen wir uns selbst versorgen.
Ich habe mir gestern auf dem Markt in Irkutzk Brot, Käse und Tomaten gekauft und werde heute meine erste Tütensuppe schlürfen. Die Kälte der Nacht sitzt uns noch lange in den Knochen und die Sonnenseite des Zug ist die am Gang, so dass wir in unserem Abteil noch lange frieren.
Der Zug hält an jeder „Milchkanne“. Ab Ulan Ude (7 Uhr) sind die meisten Fahrgäste wach und laufen, um sich aufzuwärmen, auf dem Flur herum. Der Waggon besteht aus deutschen und niederländischen Fahrgästen.
Im Schnelldurchlauf durchfahren wir noch einmal die bisher gesehenen Gegenden.
Die Spannung vor dem Grenzübertritt zur Mongolei steigt. Es soll eine langwierige Prozedur werden.
Gegen 13 Uhr erreichen wir Nautschi, den Grenzbahnhof. Dort wird unsere Lok abgekoppelt und einiges rumrangiert - wir werden wohl eine andere, mongolische Lok bekommen. Für 2 Stunden dürfen wir den Zug verlassen - ich mache mit Astrid einen Dorfrundgang - nach unserem Aufenthalt in Chuschier finde ich nichts mehr überraschend...
Am Zug passiert nichts - niemand weiss was. Irgendwann werden von den russischen Zollbeamten die Pässe eingesammelt. Dann passiert wieder stundenlang nichts. Auf dem Bahngelände tummeln sich Schwarzhändler um Rubel in Turik zu tauschen.
Irgendwann kommen Zöllner mit einem Spürhund durch den Zug. Dann kommt eine Beamtin, die unsere Gepäckstücke anschaut und fotografiert. Der Sinn dieser Aktion ist nicht erkennbar. Eigentlich geschieht über Stunden nichts - bis 19 Uhr haben wir dann noch 2 Zollformulare auszufüllen …
Es folgt eine kurze Fahrt durch Niemandsland und dann die Einreisekontrolle in die Mongolei, wieder verbunden mit Rangieren und Warten - nicht ganz so lange wie in Russland.
Wir machen uns nach diesem Tag, der nur aus Frieren und Warten bestand, bettfertig und rüsten uns für eine kalte Nacht. In dieser Nacht wurde jedoch geheizt.
Es heißt, dass die mongolischen Zugbegleiter in Russland vielleicht absichtlich nicht geheizt haben, um ihr Land in ein besseres Licht zu stellen. Es könnte aber auch sein, dass die Länder unterschiedliche Termine im Jahr haben, ab wann geheizt wird....
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